Geologie

Der tiefe Untergrund von Rügen besteht aus ca. 2000 m mächtigen Sedimenten, die seit dem Paläozoikum auf dem Kristallin des skandinavischen Schildes abgelagert wurde. Dieser Bereich liegt umweit der Nahtstelle des Fennoskandischen Schildes und des Variszischen Gebirges im Untergrund Mitteleuropas, an der Südflanke der dänisch polnischen Senke. Die Schichtfolge ist abwechslungsreich: Unter den karbonen, kohleführenden Küstensedimenten folgen Sandsteine mit Einschaltungen von vulkanischen Gesteinen aus der Zeit des unteren Perm. Im flachen Meeresbereich, den man auch als "Ur-Nordsee" bezeichnen könnte, kamen im Perm die Abtragungspunkte des umliegenden Festlandes zur Ablagerung. In flachen Wannen verdunstete das Meereswasser und es kam zur Ansammlung von Salz und Gips.

Kreideküste bei Saßnitz

Die Gesteinsabfolgen des Mesozoikums (Trias, Jura und Kreide) bestehen aus Fluß- und Seeablagerungen, Lagunen- und anderen flachmarinen Küstenbildungen. Dazu zählt auch die bis 500 m mächtige Serie der Schreibkreide. Ihr Vorkommen auf Rügen ist namengebend für eine ganze geologische Epoche, der Kreidezeit. Die Schriebkreide bildet den unmittelbaren Untergrund und ist besonders schön an der nordöstlichen Steilküste aufgeschlossen.

Sie wird in mehreren Steinbrüchen gewonnen und zu Schlämmkreide, einem wichtigen Füllstoff in der Farbindustrie, verarbeitet. Die Kreide wird dabei mit Wasser verrührt. Parallel zur Schichtung der Schreibkreide wurde schwarzer und grauer Felsstein (Flint) eingelagert. Diese harten, scharfkantig brechenden Knollen waren ein wichtiger Werkstoff für den Steinzeitmenschen. Er fertigte daraus Klingen, Speer- und Pfeilspitzen. Die Feuersteinknollen verdanken ihre Entstehung kieseligen Organismen wie den Kieselschwämmen, die auf dem Meeresgrund wuchsen. 

Kreideabbruch an der Ostküste von Rügen

In der Kreide findet man zahlreiche Fossilien wie Seeigel, Belemniten und Muscheln. In der obersten Kreide zog sich das Meer zurück, so daß der Bereich der heutigen Ostsee im Tertiär zu Festland wurde. Der usprünglich große Meeresraum schrumpfte auf einen Teil der heutigen Nordsee Dänemarks und der südliche angrenzenden Gebiete zusammen. Im Quartär stießen vom skandinavischen Schild aus dreimal riesige Eismassen nach Süden vor, überschritten das norddeutsche Flachland und reichten zeitweilig bis an den Rand der deutschen Mittelgebirgsschwelle und weit in das Baltikum. Der maximale Vereisungszustand des skandinavischen Inlandeises wird durch die sogenannte "Feuersteinlinie", die Verbreitungsgrenze des transportierten Flints, markiert.

Mit dem Abschmelzen der gewaltigen Eismassen der alpinen und nordischen Inlandvereisung, in der bis heute andauernden Warmzeit des Holozäns, kam es vorerst im Bereich der Ostsee zur Ausbildung eines Eisstausees. Durch den Anstieg des Meeresspiegels um ca. 100 m kam es zur Überflutung. Das glaziale Relief Rügens wurde damit zu einer reich gegliederten Insel. Der Höchststand des Meeresspiegels wurde vor ca. 7000 Jahren erreicht, wobei das heutige Rügen in mehrere einzelne Inseln zerfiel. Diese Meeresentwickluing wird nach der damals eingwanderten dickschaligen kegelförmigen Strandschnecke "Littorina" Littorinameer genannt. Seit diesem Höchststand erfolgte ein Küstenausgleich durch Erosion der Strandkliffe und Auflandungen des abgetragenen Materials an der Küste. Heute noch nagt das Meer an den Steilküsten. Vom herabbrechenden Material säumen die widerstandsfähigen Gerölle und Findlinge den Fuß des Kliffs, während die weiche Kreide fortgeschwemmt wird. Die gleichmäßige Küstenströmung verfrachtet Sand und Schlamm und lagert lange Wälle ab. So entstanden die als Haken bezeichneten Halbinsel Gellen, Bessin/Hiddensee und Bug. Durch das Zusammenwachsen dieser Sandzungen zu Nehrungen, wie Großer Strand, Schmale Heide, Schaabe, und Baaber Heide, wurden Lagunen von der Ostsee abgetrennt. Diese allmählich verlandene, flachen Becken, Bodden genannt, sind ein typisches Element des Ausgleichsküste. aufmerksame Naturfreunde werden bei Wanderungen auf Rügen die Spuren dieser wechselvollen geologischen Geschichte entdecken können.