Geschichte

Aus der Ur- und Frühgeschichte sind auf der Insel Rügen zahlreiche Denkmäler wie steinzeitliche Grabanlagen, bronzezeitliche Hügelgräber und slawische Burgwälle zu sehen. Aus der Epoche der Altsteinzeit wurden steinerne Sichel und angeschnittene Renngeweihstangen im Garzer Moor gefunden. Erst die Epoche der Jungsteinzeit, 2500-1700 v. Chr., hinterließ am Rand des Jasmunder Boddens eine größere Anzahl von bearbeiteten Arbeitsgeräten, die den Wandel der wanderten Jägerkultur zum seßhaften Ackerbauern veranschaulichen. Den Feuerstein als Arbeitsgerät bot die Natur zuhauf, er brauchte nur aufgelesen zu werden.
Feuersteinfelder
Feuersteinfelder finden sich in der Jasmunder und Wittower Kreide. Während der Epoche der Jungsteinzeit wurde die Technik des Steinschleifelns entwickelt. Neben dem Stein dienten ebenso Holz, Horn und Knochen als Materialien, die allerdings über die Jahrtausende allenfalls im Moor konserviert wurden, ansonsten sind derlei Funde spärlich.

In Gingst wurden Reste von schmuckvoll verzierten Keramikbehältern gefunden. Die imposantesten Zeugen der Steinzeit stellen die Großstein- oder Hünengräber dar, von denen noch 54 auf der Insel gezählt werden. In der jüngsten Vergangenheit sind viel dem Straßen- und Häuserbau sowie der unsachgemäßen menschlichen Neugierde zum Ofer gefallen. Sehenswert sind die Anlage bei Altensien, Altkamp, Borchtitz, Burtevitz, Dubnitz, Dummertevitz, Dwasieden, Garftitz, Göhren, Gramtitz, Groß Stresow, Groß Zicker, Kravitz, Lancken-Granitz, Lauterbach, Lonvitz, Mukran, Nadelitz, Nistelitz, Nobbin, Pastitz, Posewald, Sellitz und Silvitz. Aus der Epoche der Bronzezeit ist die imposanteste Grabanlage bei Sagard erhalten, der soganannte Dobberwoth, ein 10 m hoher Grabhügel mit einem Umfang von 50 m. In der Bronzezeit änderten sich die Bestattungsriten. Die Toten wurden verbrannt und in Urnen beigesetzt. Eine der klassischen Vorgeschichtsepochen, die die Inselkultur nachhaltig prägte, begann mit der Besiedelung durch die Slawn im 6.Jh. n. Chr. Orts- und Flurnamen mit Endung aug -itz, -ow, -in führen auf die slawischen Ursprünge zurück, ebenso wie große Burgwallanlagen beim Kap Arkona, der Rugard bei Bergen, die Herthaburg in der Stubnitz und weitere Wälle bei Garz, Grpß Kniepow, Gobbin, Venz, Werder und Zudar.

Die Inselherrschaft der Slawen wurde mit der Eroberung des Dänenkönigs Waldemar I. um 1168 beendet. Mit dem Fall der Burg Arkona kam die Insel unter die dänische Oberhoheit, damit verbunden setzte die Christianisierung ein. Die Slawnfürsten wurden zu Versallen der Dänen, sie mußten den Treueeid auf den Dänenkönig schwören sowie Heeresfolge leisten. Eine umfangreiche dänische Besiedelung fand nicht statt sondern es wurden lediglich Geistliche und wahrscheinlich Handwerker entsandt, deren Einfluß heute noch an der Marienkirche zu Bergen und den Dorfkirchen von Altenkirchen, Sagard und Schaprode zu erkennen ist. Die ersten deutschen Bauern kamen im Zuge der Ostexpansion während des 13.Jh. auf die Insel, geduldet und gefördert von den Slawenfürsten. 

Jaromar I. an der Marienkirche Bergen

1325 starb mit Witzlaw III. der letzte Slawenfürst. Danach übernahmen pommersche Herzöge die Insel. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Insel rücksichtslos geplündert und ihre Ressourcen von den Wallenstein'schen Truppen ausgebeutet. Mit dem Westfälischem Frieden von 1648 fiel Rügen an die Schweden, bis die Herrschaft 1815, mit der Neuordnung Europas auf dem Wiener Kongreß, als Folge der Napoleonischen Kriege, an Preußen überging. Der harte Alltag der rügenschen Bauern war durch das unterdrückte System der Leibeigenschaft über Jahrhunderte geprägt. Einer der bekanntesten Inselsöhne. Ernst Moritz Arndt (1769-1860), wurde vom Fürsprecher der unterdrückten Bauern und kämpfte gegen die Leibeigenschaft sowie auch gegen die Besatzung durch napoleonische Truppen. Zu seinen Gedenken steht der Ernst-Moritz-Turm bei Bergen. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte die Insel Rügen zur sowjetischen Besatzungszone und später zum Staatsgebiet der DDR. Aus der sozialistischen Nachkriegsära sind gerade in den touristisch geprägten Küstenorten zahlreiche neu errichtete Ferienheime und umgewandelte ehemalige großbürgerliche Kureinrichtungen für die arbeitende Bevölkerung zur Verfügung gestellt worden.

Nach der Wende wurden die alten staatlichen Erholungsheime- und Siedlungen geschlossen und zum Teil privatisiert. Es wurde viel gebaut und es entstanden jeden Menge neue Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen. Der Tourismus auf Rügen ist heute der wichtigste Wirtschaftsmotor.