Tourismus

Die Entwicklung des Tourismus seit Mitte des 18. Jh., als die ersten erholungssuchenden Fremden gezählt wurden, trug entschieden zum Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad der Insel Rügen bei.

Entgegen heutigen Ansprüchen wurden die ersten Badeorte nicht direkt an der See eingerichtet sondern von Pfarrer Willich wurde die erste "Brunnen-, Bade- und Vergnügungsanstalt" in Sagard gegründet. Anziehungspunkt war eine eisen- und kohlensäurehaltige Quelle, die derzeit Linderung für bestimmt Krankheuten versprach. Neben dem Badehaus wurde über die Quelle ein turmartiges Gebäude errichtet und Grünanlagen mit schattigen Laubengängen rundeten die Erholungseinrichtungen ab. Bereits kurze Zeit später, während der napoleonischen Belagerung zu Beginn des 19. Jh., ging der Badebetrieb ein. Heute erinnert nur noch der Flurname Brunnenaue an die frühere Nutzung.

Circus Putbus
Fürst Malte von Putbus, derzeit der einflußreichste Vertreter des rügenschen Feudaladels, ließ 1816 in Putbus ein "Luxusbad" errichten, daß nicht nur, wie in Sagard, auf den begüterten Adel und das Großbürgertum als Klientel abzielte sondern Anziehungspunkt für den Hochadel, wie Reichsgrafen, Rittergutbesitzer, hohe Militärs, Prinzen und Könige wurde. Um 1820 wurden das Badehaus an der Goor, Theater, Orangerie, Kursaal und Gästehäuser errichtet. Zusammen mit den großzügig angelegten Alleen und dem Park übertraf dieses Bad alle älteren mecklenburgischen Bäder. Die Blütezeit währte auch hier nur kurz, obwohl Putbus den Zugang zur See bieten konnte, allerdings nicht zur offenen Ostsee sondern zum Rügischen Bodden. Die Lage an der offenen Ostsee war es dann auch, die den Badeort Saßnitz mehr Gästen einbrachte als Putbus, das seine führende Rolle um die Mitte des 19. Jh. verlor. 

Saßnitz stieg in der zweiten Hälfte des 19. Jh. zum Modebad des in- und ausländischen Großbürgertums auf. Durch den Bau der Eisenbahnlinie Bergen-Saßnitz 1891, verbesserte sich die Verkehrsanbindung. Bis zur Jahrhundertwende wurden Herren- und Damenbäder räumlich streng voneinander getrennt. Erst 1908 wurde in Sassnitz ein Familienbad eingerichtet. Sogenannte Badekarren schützten beim Umziehen vor neugierigen Blicken. Die Badekleidung ließ wenig nackte Haut erkennen. In den 80er Jahren des 19.Jh. verlagerte sich das Badeleben ein weiteres Mal und zwar auf die südlicher gelegenen Orte Binz, Göhren, Sellin, Thiessow und Baabe, die natürlichen Sandstrand haben. 

typische Bäderarchitektur
Die Architektur veränderte das Gesicht  der ehemaligen Fischerorte. Neben der Errichtung von Kur- und Badehäusern sowie Hotels wurden die alten Fischerhäuser um- und ausgebaut, vor allem angefügte Veranden und Balkone deuteten auf die verstärkte Ausrichtung zum Fremdenverkehr hin. Während des Naziregimes büßten diese Badeorte nichts von ihrer Beliebtheit ein. Die Erholungssuchenden stammten weiterhin überwiegend aus dem großbürgerlichen Kreisen. Nach dem zweiten Weltkrieg änderte sich die Zusammensetzung der Gäste. Unter der sozialistischen Führung wurden verstärkt Ferienheime, Kinderheime und Kinderferienlager von den großen volkseigenen Betrieben für die Belegschaft errichtet. Ehemalige großbürgerliche Kureinrichtungen wurden umfunktioniert in Erholungsheime, so z.B. in Binz. Daneben war es an abseits gelegenen Orten, wie auf der Insel Vilm vor Putbus, Platz für die SED Prominenz. Offiziell war diese Insel Natursschutzgebiet und für die Öffentlichkeit nciht zugänglich. Mit der Öffnung der deutsch-deutschen Grenze und der Vereinigung veränderten sich die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse ein weiteres Mal.

Heute ist Rügen eins der wichtigsten Urlaubsziele der Deutschen in Europa. Zwischen den Monaten April und Oktober besuchen die meisten Urlauber die Insel, die alleine ca. 25% der Übernachtungen in Mecklenburg-Vorpommern ausmacht. Jede Menge Ausflugsziele und Sehenswürdigkeiten sowie die Naturschönheiten ziehen immer mehr Besucher auf die Ostseeinsel.